Reykjavik

Heute haben wir uns zum Beginn unserer Reise die Hauptstadt von Island angesehen. Reykjavik - die größte Stadt Islands und zudem die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt. Mit rund 125000 Einwohnern leben hier rund 40%~ der Gesamtbevölkerung Islands. 

In Island nähert sich, wie bei uns der Winter ebenfalls dem Ende, jedoch herrschen stets Temperaturen um den Gefrierpunkt und es liegen in weiten Teilen des Landes noch immer Schnee.

Zu Beginn unseres Tages haben wir uns auf den Weg in die Innenstadt gemacht um dort einige der Sehenswürdigkeiten besuchen zu können:

Vom Hafen und dem angrenzenden Konzerthaus "Harpa", welches in der Dämmerung und bei Dunkelheit normalerweise in einer großen Farbenvielfalt leuchtet & der in der Nähe befindlichen "Sun Voyager", einer Skulptur welche an der Küste von Reykjavik steht und ein Wikingerschiff darstellt, konnten wir bedingt durch die Wetter und Lichtverhältnisse leider nur begrenzte Eindrücke sammeln. Alle drei sollen wohl bei Dunkelheit oder in der Dämmerung/Sonnenuntergang imposanter sein, was für uns jedoch nicht in den Zeitplan gepasst hat.

Die Innenstadt ist übersichtlich und gut fußläufig passierbar - rein optisch jedoch nicht mit unseren Innenstädten vergleichbar. Kleine Gassen und bunte, einladende Häuser zieren das Bild der Innenstadt. 

Das wohl bekannteste Gebäude der Stadt, welches auch oftmals als Wahrzeichen angesehen wird ist die Hallgrímskirkja. Die optisch auffallende Kirche befindet sich mit ihrem 74,5m hohen Turm auf einem Hügel der Stadt und ist zeitgleich eins der höchsten Gebäude Islands. Von ihrem Turm aus kann man über die gesamte Stadt blicken.

 

Laugarvatn (Golden Circle)

Nachdem wir in Reykjavik alles gesehen haben, was wir sehen wollten, haben wir uns auf den Weg nach Laugarvatn gemacht. Laugarvatn ist ein sehr kleiner Ort mit gerade einmal 177 Einwohnern (Zählung 2017), welcher jedoch als Ausgangspunkt für eine Tour auf dem sog. "Golden Circle" und unsere Schnorcheltour morgen in der Silfraspalte optimal ist. 

Nach Ankunft am Nachmittag und Check-In in unserer Unterkunft für diese eine Nacht (Laugarvatn HI-Hostel) haben wir uns auf den Weg zum Öxarárfoss gemacht. Der Öxarárfoss ist ein Wasserfall mit gerade einmal 20m Höhe, jedoch ist nicht seine Optik das einmalige sondern die Umgebung.

Den Öxarárfoss erreicht man indem man hinunter zwischen die Kontinentalplatten (Thingvellir) von Nordamerika und Eurasien klettert und dort rund 2km Fußweg zurücklegt. Da es noch kalt ist zur jetzigen Jahreszeit sind weite Züge zwischen den Kontinentalplatten noch mit teilweise mehreren Metern Schnee bedeckt wodurch der Zustieg erschwert wird.

 

Morgen früh gehen wir in der Silfraspalte schnorcheln und anschließend die Sehenswürdigkeiten des Golden Circles abklappern um uns danach auf den Weg in Richtung Osten des Landes zu machen.

Silfra-Spalte & Golden Circle

Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg zur Silfra-Spalte gemacht um dort die wohl außergewöhnlichste Aktivität unseres Island-Urlaubs von der "To-Do"-Liste zu streichen. Ein Schnorchelgang in dem Gletscherwasser, welches in 50km Entfernung vom Langjökull entspringt. Das Wasser benötigt für die Strecke durch poröses Lavagestein im Schnitt 30-100 Jahre und wird auf seinem Weg nahezu perfekt gefiltert. Es gehört zu den saubersten Gewässern der Welt - wodurch sich bei guten Wetterverhältnissen Sichtweiten von über 200 Meter unterhalb der Wasseroberfläche ergeben. Trotz dem langen Weg ist und bleibt es Gletscherwasser! Die Temperaturen des Wassers liegen das gesamte Jahr zwischen 2°C und 4°C. Es ist also beim Schnorcheln und Tauchen innerhalb dieser Gewässer unbedingt ein dafür entsprechender Neoprenanzug (Wetsuit) oder Trockenanzug (Drysuit) zu tragen. Trotz entsprechender Kleidung bleiben die Temperaturen nicht dauerhaft fern des Körpers, wodurch ein maximaler Aufenthalt von rund 30-40 Minuten nicht überschritten werden sollte da es zu bleibenden gesundheitlichen Schäden kommen kann oder zu ernsthaften Verletzungen. Die Ausrüstung kann man sich bei vielen Anbietern ausleihen, welche einen auf seinem Tauch- oder Schnorchelgang begleiten und bei Fragen zur Seite stehen. Wir haben die Ausrüstung vom eher kleineren Unternehmen "Adventure Vikings", welcher uns durch seine freundliche Art sehr zufrieden gestellt hat - Danke an dieser Stelle an Julien.

Leider ist bedingt durch die Temperaturen unsere Actioncam nach rund 10 Minuten Aufenthalt eingefroren (Linse des Trockengehäuses), wodurch Filmmaterial und Bilder leider zum größten Teil unbrauchbar wurden - einmal im Wasser kann man daran jedoch leider nichts mehr ändern - da beim Verlassen des Wassers bedingt durch die Wassertemperaturen, den Wind und die Außentemperaturen um den Gefrierpunkt die Kälte nur wenige Sekunden danach zu spüren ist.

Es war allemal ein gelungenes Abenteuer - und auch wenn es verdammt kalt ist, würden wir es vermutlich immer wieder machen.

Nachdem wir uns mit Tee und einer heißen Schokolade aufgewärmt hatten haben wir unsere Tour auf dem Golden Circle weitergeführt.

 

Der nächste Halt waren die Geysire des Südens. In einem kleinen Areal entspringen diese aus dem freien Boden und besitzen im Schnitt eine Wassertemperatur von 80-100°C. Die Bereiche um die größeren und aktiven Geysire sind deshalb abgesperrt um Verbrennungen durch die explosionsartige Entladung des Wassers zu vermeiden.

Der aktivste der Geysire wird "Strokkur" genannt und hat eine Entladungsdauer von rund 10 Minuten. Die Fontänen sind hier rund 20m hoch. 

Der größte Geysir wird "Stori Geysir" genannt und hat leider nur eine unregelmäßige Entladungsdauer. Während unserem Aufenthalt hat sich dieser Geysir leider kein einziges Mal entladen. Die Fontänen sollen bei diesem Koloss über 60 Meter hoch sein.

Die Wasserbecken stoßen einen beißenden Geruch von Schwefelgas aus, welchen man auch in der Umgebung noch riechen kann. 

Von diesem Naturschauspiel haben wir uns zum nächsten Punkt unserer Tagesplanung begeben: Gullfoss

 

Der Gullfoss ist ein Wasserfall im Haukadalur (Tal mit Hochtemperaturgebiet im Süden Islands). Er besitzt eine Breite von etwa 230 Metern und zwei Fallstufen welche sich eine Gesamtfallhöhe von mehr als 30 Metern teilen. Die Landzüge um den Wasserfall waren heute noch mit Schneemassen bedeckt und haben ein tolles Gesamtbild abgegeben. Durch den starken Wind an den oberen Klippen, von welchen man den Wasserfall am besten sehen kann, war ein langer Aufenthalt kaum möglich. Der Wind hat einige Leute von den Beinen gerissen und sowohl Hüte, Mützen sowie Kameras und Smartphones von einigen unachtsamen Menschen mit in die Tiefe genommen. 

 

Letzter Stop auf dem Golden Circle war beim Kratersee Kerid. Der Krater rund um den See ist etwa 270x170 Meter groß und 55 Meter tief. In der Mitte des Kraters befindet sich ein See, welcher einen Wasserstand von 7-14 Metern aufweist. Das besondere an diesem See ist, das dieser offenbar (mit dem Krater drum herum) durch einen Vulkanausbruch entstanden ist und die Oberfläche des Sees seither mit dem Grundwasserspiegel zusammen fällt und steigt. Er wird deshalb auch als "Fenster ins Grundwasser" genannt.

 

Nachdem wir die Tour auf dem Golden Circle abgeschlossen hatten, haben wir uns auf die Suche nach einem isländischen Supermarkt gemacht. Ein "hoch" auf Google-Maps, da dieses selbst Supermärkte wie "Kronan" (vergleichbar mit Aldi) und "Bónus" (vergleichbar mit Netto) findet auch wenn diese für unsere Verhältnisse fernab jeglicher Zivilisation liegen und eine wahre Rarität sind.

Der Supermarkt war notwendig um Toastbrot zu kaufen. Jenny hat in der "Free-Food"-Abteilung des Hostels heute morgen ein ganzes Glas Erdnussbutter (hier im Laden rund 7-12€) gefunden - welche sie nicht liegen lassen konnte. Die "Free-Food"-Abteilung haben wir bis dato übrigens in Island in jedem unserer Hostels gehabt. Dort werden Essensrest (natürlich keine direkten Reste - nur neue, ungeöffnete Packungen) abgestellt von allen die diese für ihre Reise nicht mehr benötigen (beispielsweise wegen Heimreise). Damit diese Lebensmittel nicht weggeworfen werden müssen haben weltweit viele Hostels diese Schränke bereits eingeführt - hier in Island scheint diese Tradition jedoch ganz besonders stark gelebt zu werden.

 

Von dort sind wir zu unserer Unterkunft für die Nacht gefahren, welche in der Umgebung von Hella liegt. Wir bewohnen für diese Nacht eine kleine Holzhütte mit einer primitiv eingerichteten Küche und einem eigenen Badezimmer und machen uns von hier morgen früh auf den Weg nach Raudaberg. 

 

Wasserfälle Südislands

Auf unserem Weg nach Raudaberg, wo wir die kommende Nacht verbringen wollen um die Wegstrecke bis nach Myvatn nicht in einem Stück zu fahren (rund 10-11h reine Fahrtzeit), haben wir heute noch die größten und bekanntesten Wasserfälle des Südens besucht. Der Süden der Insel bessitzt unzählige Wasserfälle, welche oftmals unzugänglich sind oder sich auf privaten Grundstücken befinden. Drei von ihnen stechen jedoch besonders hervor durch ihre Größe und ihre Umgebung.

 

Als erstes Lag der Seljalandsfoss auf unserer Route.  Stolze 66 Meter Fallhöhe und eine brachiale Menge an Wasser kommen hier über den FLuss Seljalandsá welcher sich unterhalb des Gletscherschildes Eyjafjallajökull befindet. Das besondere ist hier das man sich hinter den Wasserfall in die Felswand begeben kann und von dort duch den Wasserschleier in die Landschaft hinauß blicken kann. Hierbei wird man nass und die Bereiche hinter dem Wasserfall in der Felswand sind nass und rutschig.

 

Vom Seljalandsfoss haben wir uns im Anschluß weiter in Richtung Osten begeben und einen Zwischenhalt am Skógafoss eingelegt.

Der Skógafoss ist der bekannteste der Wasserfälle des Südens, da sich eine in Island bekannte Sage um ihn dreht. Der erste Wikingersiedler soll hinter dem 25 Meter breiten und 60 Meter hohen Wasserfall einst einen Schatz vergraben haben. Jahre später entdeckte ein isländischer Junge die Truhe, konnte jedoch nur nach seinem Griff greifen bevor diese Verschwand. Der Griff-Ring der benannten Truhe befindet sich bis heute im Museum "Skógasafn".

 

Zu guter Letzt wollten wir am größten Gletschersee Islands einen Halt einlegen: dem Jökulsárlón. Dieser See beherbergt große Eisberge welche sich von der Gletscherzunge gelöst haben und bis zu 15 Meter Höhe erreichen. Der See beheimatet in der Nistzeit die Große Raubmöwe sowie das ganze Jahr über Robben. Leider war bis zu unserer Ankunft das Wetter so schlecht (Regen, Schnee und Nebel) und die Sicht dadurch sehr stark eingeschränkt. Wir werden morgen in der Früh einen neuen Anlauf versuchen und erneut die Strecke bis dort zurücklegen.

 

Auf dem Weg von Laugavatn bis nach Raudaberg durchkreuzt man mehrere Habitate. Mal fährt man vorbei an Wiesen und Feldern auf welchen Island-Ponnys in großen Gruppen leben. Mal sieht man kilometerlange, mit Moos bedeckte Landschaften welche auf den ersten Blick seit hunderten von Jahren unangetastet sind. Dann wiederrum gibt es Abschnitte in denen man durch eine Tundra an Schnee oder Aschefeldern fährt. Die Insel ist vielseitig bis hierher - viele Facetten und eine atemberaubende Flora und Fauna.

Auf der Strecke von Laugavatn bis Raudaberg befindet sich eine Siedlung mit dem Namen "Vik". Die Siedlung ist bekannt für ihren schwarzen Sandstrand, welcher vor einer gewaltigen und rauen Küste liegt - man sollte nicht zu nah an das Wasser herantreten da die Wellen an diesem Küstenabschnitt sehr stark sind und einen mit ins Wasser reissen können. Vorsicht: Hier gab es schon Todesfälle! Der schwarze Sand ist genauso fein wie herkömmlicher Sand, jedoch durch und durch schwarz gefärbt - da dieser aus Lava und Asche besteht. 

 

Morgen fahren wir nach unserem Besuch am Gletschersee bis nach Myvatn, im Nord-Osten Islands - zumindest wenn es heute Nacht aufhört zu schneien und wir weiterfahren können.

Myvatn

Nachdem unser erster Versuch einen Blick auf den Jökulsárlón zu werfen gestern wegen dem Wetter fehlgeschlagen war, haben wir heute in der frühen Morgenstunde erneut die Strecke bis dort zurückgelegt. Leider gab es für heute starke Unwetterwarnungen für den Bereich in Island. Zum Zeitpunkt unseres Starts war das Wetter zwar bewölkt, jedoch ohne Regen und Nebel - weshalb wir die Gunst der Stunde nutzen wollten. Leider kam uns der Regen und der damit einkehrende Nebel zuvor - wenn auch nicht ganz so stark wie gestern. Leider war der Zugang zur Gletscherzunge wegen den Unwettern gesperrt, an welchem man oftmals Robben sehen und die gewaltigen Eismassen bestaunen kann.

Die Zugangsstraße von der anderen Seite der Ringstraße, über welche wir gestern angereist sind, war bereits komplett gesperrt - nochmals Glück gehabt.

Im Anschluß setzten wir unsere Tour in Richtung Myvatn fort. Ingesamt rund 6 Stunden Autofahrt standen auf dem Programm. "Schlechte Reisebedingungen" hatten wir Morgens im Wetterbericht gelesen. Mit ein wenig mehr Regen und Wind hatten wir zu dieser Zeit gerechnet und sollten nach rund einer Stunde Fahrt eines besseren belehrt werden. Starke Windböen mit bis zu 80km/h prallten von der Seite ungebremst gegen die Verkleidung des Autos. Wie aus dem Nichts musste man gegen den Wind lenken um nicht von den teilweise schmalen Fahrbahnen gedrückt zu werden - während der Scheibenwischer auf maximaler Geschwindigkeit die Wassermassen von der Windschutzscheibe schob.

Damit war unser Abenteuer jedoch noch nicht vollendet: Im Gebirgspass wechselte mit der zunehmenden Höhe der Regen langsam aber sicher in Schnee und ehe wir uns versahen, waren sowohl Fahrbahn, Fahrbahnmarkierungen und die Leitplanke zu einer Seite verschwunden. Die Sicht reduziert bis auf rund 5 Meter. Wir waren mitten in einem Schneesturm. Autos auf der eigenen Fahrbahn welche stecken geblieben waren und fahrende Autos auf der Gegenfahrbahn tauchten trotz Fernlicht & Warnblinklichtanlage wie aus dem Nichts auf und versetzten uns in einen kurzen Schreckmoment. Was tut man in solch einer Situation am besten? Ruhe bewahren! Warnblinklichtanlage, Fernlicht, Nebelschlussleuchte, sämtliche Lichtquellen welche zunächst erstmal dazu dienen auf sich aufmerksam zu machen um von anderen Fahrzeugen nicht übersehen zu werden. Im Anschluß immer versuchen sich an den gelben Markierungen am Fahrbahnrand zu orientieren, damit man einschätzen kann wo man sich auf der Fahrbahn befindet und wo diese entlang läuft (Ja, den Verlauf der Fahrbahn ohne die Markierungen nachvollziehen zu können ist in solch einer Situation schier unmöglich) und dann: Immer versuchen in Bewegung zu bleiben und nicht komplett anzuhalten da sonst die Gefahr stecken zu bleiben größer wird. Uns haben diese Dinge zunächst ebenfalls geholfen und wir sind eine ganze Weile mit einem sicheren Gefühl weiter durch die Schneemassen gefahren - bis von hinten mit hoher Geschwindigkeit eine ganze Reihe an Flutlichtscheinwerfern auf uns zukam. Ein Räumfahrzeug / Schneefräse, welche die Hotspots der Ringstraße in solchen Fällen schnellst möglich anfangen zu räumen. Diesen haben wir passieren lassen und haben uns anschließend hinter ihn gehangen und sind ihm gut 1 Stunde gefolgt, bis dieser gedreht hat um die andere Fahrbahn zu räumen - danke für die Eskorte an den Fahrer des Räumfahrzeugs!

Trotz dieser Verzögerung haben wir es in etwa 7 Stunden bis nach Myvatn geschafft. Einchecken im Hostel, kurz eine Kleinigkeit essen und direkt wieder los.

Das "Myvatn Nature Baths", welches in Mitten der Vulkanlandschaft erbaut wurde, stand für uns auf dem Abendprogramm. Bei dem Bad handelt es sich um ein Naturbad, welches mit Wasser betrieben wird, welches zuvor durch die Wärme des Vulkans aus dem Umfeld erwärmt wurde. Das Bad verfügt über ein großes Becken, in welchem das heiße Wasser (~100°C) welches aus der Erde kommt, aufgefangen wird. Das Wasser wird in Leitungen herunter gekühlt und im warmen Zustand in die großen Schwimmbecken eingespeist. Dadurch kommen in den Becken Wassertemperaturen von 30-41°C  zustande. Die kleineren Hotpots (ähnlich einem Whirlpool) erreichen Temperaturen bis rund 50°C. 

Zum Entspannen sind die warmen Temperaturen im Wasser spitze - trotz das außen eine Temperatur um den Gefrierpunkt herrscht. Zu empfehlen ist das Tragen einer Mütze in diesen Bädern bei kalten Außentemperaturen. Das Wasser ist stark schwefelhaltig (es riecht auch sehr stark danach), weshalb eine gründliche Dusche im Anschluß notwendig ist um diesen Geruch wieder loszuwerden. Gerade Frauen achten in diesem Bad verstärkt darauf das ihre Haare nicht mit dem Wasser in Kontakt kommen. Sowohl wegen dem Gerucht des Schwefels als auch wegen der Gefahr das nasse Haare an der kalten Luft einfrieren können und dadurch zum abbrechen neigen.

 

Nachdem wir von unserem Abend im Nature Bath zurück im Hostel angekommen waren, mussten wir leider feststellen dass das W-Lan ohne Funktion ist weshalb wir leider nicht bloggen und unsere Route für den kommenden Tag nicht planen konnten. Das freundliche Personal unseres Hostels hat uns wegen der Umstände ein kostenloses Zimmerupgrade angeboten. Wäre nicht nötig gewesen - jedoch zeigt diese Handlung uns das die Zufriedenheit der Gäste hier an oberster Stelle steht. Danke dafür! 

Diamond Circle & Akureyri

Nachdem uns die letzten zwei Tage von einer Schlechtwetterfront in die Karten gespielt wurde, sind wir am heutigen Morgen in strahlendem Sonnenschein aufgewacht. Ein blauer, kaum bewölkter Himmel hat uns angelächelt, weshalb wir bereits ca. 2 Stunden früher mit dem Frühstück und dem Check-Out fertig waren als die letzten Tage - in Angst das gute Wetterfenster verpassen zu können.

Heute sollte der sog. "Diamond Circle" auf dem Plan stehen. Eine Route in Nordisland, welche dem "Golden Circle" im Süden ähnelt, jedoch schöner sein soll.

Erster Halt heute: Das Geothermalgebiet Hverarönd am Fuße des Vulkans Namafjall nahe Myvatn. 

Im Gegensatz zu den Geysiren in Südisland, spucken die hier vorhandenen keine großen Mengen an Wasser in die Luft. Zumindest sind die Entladungen nicht so gewaltig wie dort. Dennoch fanden wir dieses Geothermalgebiet interessanter da uns die Umgebung an die Landschaft des Planeten Mars erinnert hat. Der beißende Schwefelgeruch setzt sich an Kleidung und Haaren fest - was jedoch nicht von einem Besuch abschrecken sollte, da sich dieser spätestens beim nächsten Waschgang entfernen lässt.

 

Von dort ging es weiter zum Dettifoss. Der Dettifoss ist der leistungsstärkste Wasserfall Europas (Volumenfluss & Fallhöhe) mit einer Breite von knapp 100 Metern und rund 50 Metern Fallhöhe. Die Umgebung des Wasserfalls ist zu dieser Jahreszeit wahrlich atemberaubend da die Flanken der Schlucht mit großen Schneemassen bedeckt sind. Der Dettifoss kann im Sommer von zwei Seiten besucht werden: 

Die Ostseite erreicht man über eine Schotterstraße, welche im Winter zumeist gesperrt ist.

Die Westseite erreicht man idR. immer über die neu gebaute Asphaltstraße (862), welche von der Ringstraße 1 abgeht.

 

Vorbei am gefrorenen See Mývatn, welcher eine Gesamtfläche von rund 37km² besitzt und zu dieser Jahreszeit noch eingefroren ist. Im Sommer ist dieser See die Heimat von großen Mückenschwärmen, wodurch er seinen Namen erlangt hat: Mückensee

Auf der Fahrt sieht man neben den in Südisland weit verbreiteten Island-Ponnys reichlich andere Tiere. Darunter befinden sich beispielsweise Rentiere, Schafe und Polarfüchse. Die meisten Eindrücke welche man auf einer Fahrt durch Island von der Natur bekommt kann man bedingt durch die Größe zumeist leider nicht festhalten. Die Formation des Landes, die verschiedenen Vegetationen und manchmal auch die offenbare Unberührtheit des Landes würden sich nur in großen Panoramabildern festhalten lassen.

 

Der nächste Punkt des Diamond Circles ist der Wasserfall Godafoss. Dieser stürzt über eine Breite von 158 Metern zwar gerade einmal 11 Meter in die Tiefe, ist jedoch vom Ambiente und dem dahinter folgenden Fluss ebenso schön anzusehen wie seine "großen Brüder".

 

Vom Godafoss haben wir dann unsere Fahrt in Richtung der Hafenstadt Akureyri in Angriff genommen. Akureyri ist mit etwa 18500 Einwohnern, nach Reykjavik und dessen beiden Vororten Kopavogur und Hafnarfjördur die viertgrößte Stadt Islands. Dennoch ist Akureyri abseits der Hauptstadt das größte Bevölkerungs- & Dienstleistungszentrum im Norden des Landes. Akureyri liegt am Ufen des Fjords Eyjafjördur, welcher bis tief ins Land hineinreicht. Wir haben einen Spaziergang am Fjordufer gemacht und haben uns die Stadt angeschaut, welche für ihre Größe bestens ausgebaut und belebt ist. Übrigens: Die roten Ampellichter sind in Akureyri alle in Herzform.

 

Morgen werden wir nach Borganes fahren um dort unsere Rundreise abzuschließen. Sollte das Wetter gut sein, werden wir unter Umständen noch einen Zwischenstopp in Husavik an der nördlichen Küste Islands einlegen.

Snæfellsnes & Borganes

Auf dem Weg von Akureyri nach Borganes haben wir heute einen Umweg über die Snæfellsnes-Halbinsel eingelegt. Die Halbinsel wird als "Island in Miniatur" bezeichnet, da sie eine große Vielfalt an verschiedenen Vegetationen und Biotopen aufweist und sämtliche Reize Islands auf kleinem Raum wiedergibt. Unser Ziel war zunächst der Berg Kirkjufell, welcher durch seine Form auch den Namen "Zuckerhut" trägt und wie eine Art Insel im Breidafjördur (ein sehr breiter Fjord im Westen Islands) steht. Auf dem Weg zu diesem Berg haben wir zuvor jedoch noch einen Halt an einem kleinen Wasserfall gemacht. Der kleine, und unspektakuläre Kirkjufellsfoss liegt wenige hundert Meter vom Bergfuß entfernt - ist jedoch auf dem Festland und nahe dem Fjordufer. Er fällt über mehrere kleine Stufen, rundet optisch das Landschaftsbild nahe dem Kirkjufell ab und läd zu einem kleinen Spaziergang ein.

Von dort ging es weiter zum Kirkjufell. Zu einer Seite ist seine "Insel" mit dem Festland verbunden. Wir haben vor einigen Wochen von einem kleinen orange-farbigem Leuchtturm auf jener Landzunge gehört, konnten jedoch keinen genauen Ort herausfinden. Also haben wir uns auf die Suche begeben und standen bald auf vor einem offenen Tor auf der Straße. Links und rechts neben dem Tor hingen Schilder mit der Aufschrift "Do not enter!" (Nicht betreten!) mit einem weiteren Schild welches auf die isländische Polizeibehörde hindeutete. Trotz das dort kein Zaun, keine Mauer oder ähnliches vorhanden war, konnte man bedingt durch die Landschaft nicht sehen was sich am Ende dieser Straße befindet. Dazu später jedoch mehr.

Die Zugangsstraße für den Leuchtturm haben wir kurzerhand darauf gefunden, welche mitlerweile jedoch offenbar teilweise in Privatbesitz ist, weshalb für uns an einem großen Zaun mit Eisentor die Suche nach dem Leuchtturm beendet war. Gerade wo wir ihn in der Ferne in seinem knalligen Orange sehen konnten. Leider.

Nach einigen weiteren Eindrücken und vielen gefahrenen Kilometern durch die Snaefellsnes-Halbinsel und vielen Fotostopps bedingt durch die unglaublich wunderbar geformte und unberührte Natur, haben wir uns am späten Abend auf den Weg in Richtung Borganes gemacht. 

Wir hatten auf unserer Routenplanung in Deutschland den Ort Borganes gewählt für einen Tag, um von dort eine Wal-Beobachtung mitzumachen. Von Borganes aus kann man in einem kleinen Fischerort in der Nähe (Olafsvik) im Winter mit einem Boot oder Schiff hinaus in die umliegenden Buchten fahren und dort Wale, insbesondere Orcas mit eine wenig Glück sehen. Der Ausflug war jedoch teurer als erwartet und die Sichtchancen für Orcas sind Ende März offenbar doch nicht so gut wie zunächst angenommen (November/Dezember - Januar/Februar soll besser sein), weshalb wir uns kurzum dagegen entschieden haben diesen Ausflug zu machen. Borganes ist ein kleiner Ort an der Küste mit nicht einmal 2000 Einwohnern und hat abgesehen von den Wal-Beobachtungen leider nicht allzuviel zu bieten - auch wenn das kleine Städtchen wirklich nett anzusehen ist.

Heute Morgen haben wir uns also stattdessen nach anderer Beschäftigung umgesehen um unseren letzten Tag in Island zu füllen, abgesehen von der Rückfahrt nach Reykjavik. Wir haben uns für einen Abstecher zu einer kleinen Halbinsel nahe Reykjavik entschieden welche den Namen Grotta trägt. Die Insel ist lediglich im Winter geöffnet und zugänglich, da es sich bei ihr um ein Vogelschutzgebiet handelt. Zu dieser Jahreszeit kommen die ersten Zugvögel bereits aus den warmen Regionen der Erde zurück und treffen sich an der Halbinsel Grotta um dort ihre Brutzeit zu verbringen. Am dunklen Sandstrand sind bereits Legekuhlen gegraben und im Wasser findet eine große Balz statt. Unter den rund 15 Vogelarten befindet sich unter anderem auch der Papageientaucher, welcher als eine Art "Symbol" für Island genutzt wird.

Auf der kleinen Insel, welche nur bei Ebbe erreichbar ist befindet sich ein Leuchtturm, welcher ein tolles Fotomotiv darstellt. Neben dem Leuchtturm befindet sich der kleinste Hotpot Islands auf Grotta. In das runde, eingearbeitete Loch eines Basaltsteines fließt dauerhaft Warmwasser aus der Heißwasserversorgungsleitung der Stadt Seltjarnarnes. Der Hotpot ist zu klein um komplett darin zu baden, reicht aber dazu um seine Füße von einem anstrengenden Spaziergang, den Beanspruchungen der letzten Tage oder einer langen Autofahrt zu erholen.

Von dort sind wir zu unserer Unterkunft in Reykjavik gefahren und haben dort unsere Rucksäcke für unsere Abreise vorbereitet.

 

Um nochmals auf die gesperrte Straße nahe dem Kirkjufell zurückzukommen: 

Beim Verfassen des Blogs haben wir ein wenig Recherche betrieben um herauszufinden was sich am Ende dieser Straße befindet. Es handelt sich um die Zufahrtstraße nach Kríabryggja. Dabei handelt es sich um ein Gefängnis welches als "offenes Gefängnis" bezeichnet wird. Das Gebäude ist eine alte Farm, die maximal 22 Inhaftierten (nur Personen die als "nicht-gefährlich" eingestuft wurden und Haftstrafen von 2 Jahren oder weniger verbüßen müssen) arbeiten und versorgen sich auf dieser Farm selber - ohne Mauern, Zäune oder Barrikaden die sie vor einer Flucht hindern. Dieses Gefängnis wird als das "schönste Gefängnis der Welt" bezeichnet - hier hat es schon Inhaftierte gegeben die nach ihrer Entlassung dort bleiben wollten.

Die Kriminalitätsquote in Island ist geschwindent gering. So gering das viele Isländer nicht einmal ihre Haustüre abschließen - und trotzdem keine Diebstähle oder Einbrüche passieren. Das Vertrauen in den Mensch wird einem als Besucher in den isländischen Hosteln bewusst: fast alle Bereiche sind dauerhaft frei zugänglich, Schuhe werden wie zuhause am Eingang abgestellt (hier kommen in großen Hosteln schnell 40 Paare und mehr zusammen), Essen lagert man wie in einer WG mit Namensschildern beschriftet in einem Kühlschrank,... und all das ohne das sich jemand am Eigentum der anderen vergreift.

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